Kommentar zum Fall Armstrong
Ein einsamer Kampf – ein Denkmal vor der Demontage
BildfamilieDoping-Kontrolleure
Freunde hat man wenige, wenn man Anti-Doping-Kämpfer ist. Man muss einen langen Atem haben und trickreich zu Werke gehen, um am Ende vielleicht doch erfolgreich zu sein. Auf jeden Fall muss man viel aushalten können. Das gilt erst recht für den Fall Lance Armstrong.Im Fall Floyd Landis hatte es zwei Jahre gedauert und Millionen benötigt, bis dessen Betrug end- und rechtsgültig bewiesen wurde. Bei Jan Ullrich waren es sogar sechs Jahre und gekostet hat es nicht viel weniger. Zwischenzeitlich mussten die Ermittler aber etliche Anfeindungen, Hohn und Spott ertragen. Doch beide Fälle sind nichts im Vergleich zum Fall Lance Armstrong! Die meisten Vorwürfe gegen den ehemaligen Topstar der Radszene sind nicht neu, zu einer Verurteilung ist es aber nie gekommen. In einer Dopingprobe aus dem Jahr 1998 etwa wurden Dopingmittel nachgewiesen, aus juristischer Sicht konnte damals jedoch kein Verfahren eröffnet werden. Alles umsonst?Zahlreiche Zeugen haben seitdem Armstrong des Dopings beschuldigt. Ohne Folgen. Armstrong ist in den USA ein Held, der um sich und seine Krebserkrankung einen Mythos kreiert hat. Seine Livestrong-Stiftung ist bedeutend und gut vernetzt. Warum also sollte jemand dieses Denkmal vom Sockel stoßen? Vor mehreren Jahren bereits nahm ein Sonderermittler die Untersuchungen gegen Armstrong auf, befragte weitere Zeugen, ermittelte weltweit - bis schließlich Millionen von Dollar ausgegeben worden waren und alle Ermittlungen eingestellt wurden. Alles umsonst also … oder doch nicht? Dopingverdacht erhärtet sichEs gibt neue Hoffnung für die Hüter des sauberen Sports. Die Aussagen von Teammitgliedern und ehemaligen Betreuern jedenfalls bilden nun das Grundgerüst des erneuten Versuches, Armstrong des Betruges zu überführen. Aber das Anklageschreiben der Anti-Doping-Kämpfer offenbart noch mehr. Einige Blutwerte Armstrongs aus den Jahren 2009 und 2010 lassen für die Verantwortlichen der US-Anti-Doping-Behörde USADA auf Doping schließen. Stellt sich nur die Frage, warum der Weltradverband UCI diese Werte nicht zum Anlass genommen hatte, ein Verfahren gegen Armstrong zu eröffnen? Vielleicht hat es damit zu tun, dass viele Funktionäre zu ängstlich agieren oder erst gar nicht wollen. Und schlecht fürs Geschäft mit dem Sport ist es zudem. Umso höher ist das Vorgehen der USADA einzuschätzen. Hoffen auf ein erfolgreiches EndeWer mutig ist und offensiv gegen möglichen Betrug vorgeht, hat zumindest im Anti-Doping-Kampf meist mehr Ärger als Unterstützung. Das zumindest verdeutlichen viele Fälle der Vergangenheit und nun auch der Fall Armstrong. Auf seiner Homepage jedenfalls verhöhnt er bereits die Anti-Doping-Kämpfer. Und es verwundert nicht, dass das Dopingverfahren gegen Lance Armstrong in den USA nur eine Randnotiz ist. Daher wünscht man den Ermittlern Kraft und Ausdauer in ihrem Kampf, auch wenn er noch Jahre dauern kann. Hoffentlich ist er am Ende erfolgreich!
14.06.2012



